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Buchtipp

Buchtipp: „Zwischen den Welten“

Ich habe „Zwischen den Welten“ von Hadley Vlahos mit einer gewissen Zurückhaltung begonnen. Bücher über das Sterben gibt es viele – manche erklärend, manche tröstend, manche allzu schnell einordnend. Dieses Buch ist anders.

Hadley Vlahos ist Hospizschwester. Sie erzählt von Menschen, die sie in ihren letzten Lebenswochen begleitet hat. Zwölf Begegnungen, zwölf Geschichten. Was mich beim Lesen überrascht hat, ist die Offenheit, mit der sie sich den Erfahrungen nähert, die sich am Lebensende oft zeigen – ohne sie zu erklären, ohne sie zu bewerten, ohne ihnen eine eindeutige Bedeutung zu geben.

Viele der beschriebenen Situationen wirken vertraut. Die besondere Klarheit, die manche Menschen in ihren letzten Tagen entwickeln. Gespräche, die plötzlich möglich werden. Begegnungen, die intensiver sind als vieles zuvor. Und auch diese Momente, die sich nicht vollständig rational einordnen lassen – die aber für die Beteiligten eine große Bedeutung haben.

Beim Lesen hatte ich immer wieder das Gefühl, dass sich der Blick verschiebt. Weg vom Sterben als reinem Ende – hin zu einer Phase, die oft von Verdichtung geprägt ist. Beziehungen klären sich, Erinnerungen treten in den Vordergrund, und manchmal entstehen Erfahrungen, die sich wie ein Übergang anfühlen.

Vlahos schreibt dabei ruhig und unaufgeregt. Gerade das macht das Buch bemerkenswert. Es ist nicht dramatisch, nicht pathetisch, nicht erklärend. Es bleibt nah bei den Menschen. Und lässt Raum für das, was sich nicht vollständig greifen lässt.

Vielleicht liegt genau darin die Qualität dieses Buches:
Es versucht nicht, Antworten zu geben.
Es lädt dazu ein, genauer hinzusehen.

Für mich ist „Zwischen den Welten“ ein Buch über das, was am Lebensende sichtbar werden kann: Nähe, Versöhnung, Offenheit – und manchmal eine besondere Form von Klarheit.

Ein Buch, das den Blick auf das Sterben nicht verändert, indem es beruhigt oder erklärt – sondern indem es aufmerksam macht.