Am 10. Oktober 2025 öffnete das Altonaer Museum seine Türen für einen Abend, der Literatur, Musik und menschliche Erfahrung auf seltene Weise miteinander verknüpfte. Im Rahmen der Ausstellung „Im Angesicht. Portraits aus dem Hospiz Sinus“ und anlässlich der Altonaer Vielfaltswoche lasen Gustav Peter Wöhler und Jara Bihler aus Jasmin Schreibers Roman „Marianengraben“ – einem Text, der mit leiser Präzision erzählt, was Trauer mit einem Menschen macht, und wie überraschend tröstlich Begegnungen sein können.
Der Roman folgt Paula, einer jungen Biologin, die den Tod ihres Bruders kaum verkraftet. Auf einem Friedhof trifft sie auf Helmut, dessen Leben ebenfalls von Verlust gezeichnet ist. Gemeinsam – begleitet von Hund und Huhn – begeben sich die beiden auf eine Reise, die weniger geografisch als existenziell ist: ein tastendes Vorwärts, ein erneutes Hinspüren, ein vorsichtiges Aufatmen. Schreibers Sprache hält die Balance zwischen Schwere und Leichtigkeit, zwischen Verzweiflung und den Momenten, in denen das Leben plötzlich wieder anklopft.
Diese feinen Schwingungen wurden an diesem Abend auf besondere Weise spürbar:
Jara Bihler verlieh Paula eine Verletzlichkeit, die ebenso gegenwärtig wie nuanciert war, während Gustav Peter Wöhler Helmuts Mischung aus Eigensinn, Verletzbarkeit und trockenem Humor eindrucksvoll zur Geltung brachte. Die Dynamik zwischen beiden entwickelte sich weit über eine klassische Lesung hinaus; man erlebte vielmehr eine szenische Interpretation, die den Text zum Leben brachte. Das Publikum reagierte hörbar – mit Lachen, mit Stille, mit berührter Anteilnahme.
Zwischen den Passagen schufen die Cellisten Marta Rasztar und Filip Mikulski musikalische Räume, die das Gehörte nachhallen ließen. Ihre Zwischentöne wirkten wie Atemzüge zwischen den Kapiteln – kleine Momente des Loslassens, in denen sich die Worte setzen durften.
Der Saal war bis auf den letzten Platz gefüllt, und der langanhaltende Applaus sprach für sich: Viele Gäste waren bewegt, manche sichtbar überwältigt. Es war ein Abend, der nicht nur eine Geschichte vorstellte, sondern eine Erfahrung teilte – darüber, wie nah Trauer und Komik beieinander liegen können, und wie sehr Literatur helfen kann, das Unsagbare auszuhalten.
Für alle, die nicht dabei sein konnten, gibt es eine gute Nachricht:
Im kommenden Jahr wird es eine zweite Lesung geben. Wir werden rechtzeitig dazu einladen.












