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Neues aus unseren Häusern

Ein weiter Blick bis zum Horizont

Manchmal verändert Kunst einen Raum nicht nur optisch, sondern auch atmosphärisch. Sie öffnet etwas. Einen Gedanken, eine Stimmung, einen Blick.

Seit Ende April empfängt die Gäste, Besuchenden und Mitarbeitenden im Hospiz Sinus Barmbek nun eine weite Küstenlandschaft: ein schmaler Holzsteg durch die Dünen, Möwen am Himmel, sanfte Wolken, das Meer in Bewegung – und dahinter ein Horizont, der den Raum plötzlich größer wirken lässt.

Geschaffen wurde das Wandbild von der freien Künstlerin Claudia Enders, die sich auf maritime Landschaften spezialisiert hat. Mit feinem Gespür für Licht, Struktur und Tiefe entstehen in ihrer Arbeit keine lauten Bilder, sondern stille Räume mit Atmosphäre.

Das Besondere an ihrer Technik liegt in ihrer Reduktion. Claudia Enders arbeitet auf farbigen Flächen mit weißer, beinahe trockener Farbe. Schicht für Schicht entstehen dadurch feine Strukturen, Lichtreflexe und eine erstaunliche räumliche Tiefe. Aus der Nähe wirkt das Werk fast zeichnerisch, aus der Distanz öffnet sich eine ganze Landschaft.

Über sechs Abende hinweg arbeitete die Künstlerin im Eingangsbereich unseres Hauses. Tagsüber wäre das kaum möglich gewesen – der Fahrstuhlbetrieb durfte nicht gestört werden. Also entstanden Meer, Wolken und Dünengras in den ruhigeren Stunden des Hauses, oft am späten Nachmittag und Abend.

Vielleicht passt genau das zu diesem Ort: dass sich Kunst hier nicht in den Vordergrund drängt, sondern in Ruhe entstehen durfte.

Während ihrer Arbeit kam Claudia Enders immer wieder mit Gästen und Besuchenden ins Gespräch. Viele blieben stehen, beobachteten die feinen Pinselbewegungen oder fragten nach ihrer besonderen Technik. So entstanden kleine Begegnungen mitten im Alltag unseres Hauses – aufmerksam, interessiert und oft voller ehrlicher Begeisterung.

Auch die Künstlerin selbst erlebte die Atmosphäre im Hospiz als besonders friedlich und offen. Die Ruhe im Haus, die Gespräche und die wertschätzenden Reaktionen hätten sie sehr berührt, erzählte sie uns später.

Heute ist das Wandbild das Erste, was Menschen sehen, wenn sie unser Hospiz in Barmbek betreten. Und vielleicht ist genau das das Schönste daran: Dieser Blick aufs Meer erzählt nichts Lautes. Er erklärt nichts. Aber er schafft Weite.

Und manchmal ist genau das ein Geschenk.

Mehr über Claudia Enders und ihre Arbeiten finden Sie auf ihrer Website:
claudia-enders.art