Seit einigen Tagen hängen im Eingangsbereich des Hospiz Sinus Othmarschen fünf großformatige Ölgemälde der Hamburger Künstlerin Claudia Storost. Ihre Serie „Freedom“ zeigt Himmel, Wolken, Horizontlinien – fließende Übergänge zwischen Weite, Bewegung und Ruhe.
Die Bilder kamen nicht über eine Ausschreibung, nicht über einen Zufall und nicht über Kontakte zu uns. Claudia Storost ist selbst auf das Hospiz zugegangen. Mit einer klaren Idee: Diese Werke sollten dort hängen, wo Menschen loslassen, ankommen, hoffen, warten, Abschied nehmen – und leben.
Vielleicht ist genau das das Besondere an diesen Bildern. Sie drängen sich nicht auf. Sie erklären nichts. Sie schaffen Raum.
Bilder: Claudia Storost
Wir haben mit Claudia Storost darüber gesprochen, weshalb sie ihre Werke bewusst einem Hospiz als Dauerleihgabe überlassen hat, welche Verbindung sie zwischen Kunst und Vergänglichkeit sieht – und warum Loslassen manchmal leichter wird, wenn man den Blick hebt.
Interview mit Claudia Storost
Hospiz Sinus:
Liebe Frau Storost, das Sinus-Hospiz in Othmarschen hat von Ihnen fünf tolle Gemälde als Dauerleihgabe erhalten: Warum war es Ihnen wichtig, dass Ihre Bilder in einem stationären Hospiz hängen?
Claudia Storost:
Irgendwie war der Gedanke schon immer da – noch bevor ich wirklich angefangen habe, meine Kunst Menschen zu zeigen. Ich frage mich immer, für wen genau meine Kunst sein soll, wer damit resonieren könnte. Die Sammlung „Freedom“ habe ich nicht explizit für ein Hospiz oder allgemein zum Thema Tod gemalt, aber ich hatte schnell den Gedanken, dass Loslassen und Leichtigkeit als Thema auch in einem Hospiz zu Hause sind. Die Wolken gehen ständig in eine neue Form über, da ist keine Statik, nur Leichtigkeit und Übergänglichkeit. Und ein Hospiz ist ein Ort, an dem genau das spürbar wird – diese Übergänglichkeit. Kein Krankenhaus, keine Sterilität, keine Kälte. Sondern ein Ort, an dem man loslassen darf.
Hospiz Sinus:
Was verbinden Sie in Ihren Vorstellungen mit einem/unserem Hospiz?
Claudia Storost:
Einen Ort zum Loslassen von Schmerz und Kampf. Einen Ort für eine besondere Leichtigkeit. Keine Hektik, kein Chaos – sondern Ordnung. Wenn man das Haus betritt, spürt man das. Ich finde, dafür steht dieses Haus.
Hospiz Sinus:
Sehen Sie eine Verbindung zwischen Ihren Bildern und dem Hospiz?
Claudia Storost:
Ja, ganz klar. Die schwebenden Federformen der Sammlung „Freedom“ vermitteln genau das, worum es auch im Hospiz geht: Leichtigkeit, Freiheit, Loslassen. Das Unbeherrschbare zulassen.
Hospiz Sinus:
Was bedeutet es Ihnen, diese Form der Malerei zu machen?
Claudia Storost:
In erster Linie male ich Himmel und Meer, um etwas in uns anzusprechen, um die Verbindung zum eigenen Selbst zu entdecken. Himmel und Meer sind nicht greifbar, nicht kontrollierbar – sie sind unendlich. Und ich finde den Gedanken schön, dass auch das Leben nicht wirklich endet. Dass wir alle mit dem Tod nicht enden, sondern irgendwie übergehen. Meine Werke in einem Haus wie diesem hängen zu wissen hilft mir selbst, eine neue Haltung zum Tod zu entwickeln.
Hospiz Sinus:
Über welche Rückmeldung zu Ihren Bildern würden Sie sich am meisten freuen?
Claudia Storost:
Wenn ein Bild von mir dazu beitragen kann, das Loslassen ein bisschen leichter zu machen – dann macht mich das sehr dankbar und glücklich. Eine Frau kaufte vor längerer Zeit zwei kleine Werke aus derselben Sammlung, die ihr dabei geholfen haben, den Tod ihrer Schwester zu überwinden und loszulassen. Über solche Rückmeldungen freue ich mich am meisten.
Hospiz Sinus:
Liebe Frau Storost, wir danken Ihnen sehr für Ihre Antworten und Ihre Bilder!

Quelle: claudiastorost.de
Über die Künstlerin
Claudia Storost ist Hamburger Künstlerin und arbeitet vor allem mit großformatiger Ölmalerei. In ihren Werken beschäftigt sie sich mit Weite, Bewegung, Übergängen und der Frage, wie Bilder emotionale Räume öffnen können.
Die Serie „Freedom“ kreist um Leichtigkeit, Loslassen und Veränderung – Themen, die nun auch im Hospiz Sinus Othmarschen ihren Platz gefunden haben.
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