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Mit Liebe genäht: Wie aus alten Stoffen kleine Helfer für unsere Gäste werden

Manchmal sind es die kleinen Dinge, die einen großen Unterschied machen. Ein Kissen unter dem Ellenbogen. Eine weiche Stütze für die Hand. Etwas, das eine Lücke füllt, Druck nimmt oder dabei hilft, eine angenehmere Position zu finden.

Im Hospiz Sinus Othmarschen gibt es inzwischen mehr als 100 solcher kleinen und größeren Helfer – und jedes einzelne von ihnen wurde von unserer Kollegin Karin Brodowsky genäht.

Die Idee dazu entstand eher nebenbei. Als im November vorletzten Jahres die Heizungsanlage unseres Hospizes renoviert werden musste und unsere Gäste vorübergehend in unser Haus nach Barmbek umzogen, wurde es in Othmarschen ungewohnt still. Schon in der Zeit vor der Renovierung waren weniger Zimmer belegt. Karin nutzte diese ruhigeren Wochen für ein Projekt, das bis heute weiterlebt.

Im Haus gab es Stoffe und Bettwäsche, für die es keine Verwendung mehr gab. Manche Stücke hatten zuvor lange zu unserem Hospizalltag gehört, andere waren einmal die Lieblingsbettwäsche eines Gastes oder ein vertrauter Kissenbezug, den die Angehörigen nach dessen Tod nicht mit nach Hause nehmen wollten.

Viel zu schade, fand Karin.

Also brachte sie ihre Nähmaschine mit zur Arbeit und begann zu nähen.

Aus den Stoffen entstanden Kissen in den unterschiedlichsten Formen und Größen: kleine und große, längliche und schmale, Nacken- und Lagerungskissen. Denn in der Pflege kommt es oft auf wenige Zentimeter an.

Nicht immer passt ein gewöhnliches Kopfkissen dorthin, wo Unterstützung gebraucht wird. Ein kleines Kissen kann einen Ellenbogen oder eine Hand stützen, Gelenke entlasten oder einen Hohlraum ausfüllen. Andere Kissen helfen dabei, eine bequeme Seitenlage zu ermöglichen. So können unsere Pflegefachkräfte sehr individuell darauf eingehen, was einem Gast gerade guttut.

Besonders beliebt bei unseren Gästen sind übrigens die Nackenkissen.

Damit die Kissen den Anforderungen des Hospizalltags gerecht werden, steckt hinter den bunten Einzelstücken auch einiges an praktischem Know-how. Die Lagerungskissen sind mit einem speziellen Granulat gefüllt und bei 90 Grad waschbar. Größere Modelle versieht Karin mit einem Hotelverschluss, sodass die Bezüge unkompliziert abgenommen und gewaschen werden können.

Und irgendwann bekam das Projekt sogar ein kleines technisches Upgrade: Eine Kollegin schenkte Karin eine bessere Nähmaschine, mit der sich die Kissen auch besticken lassen. So findet sich auf einigen inzwischen ganz selbstverständlich der Schriftzug „Hospiz Sinus“.

Aus der spontanen Idee während der Renovierungszeit ist längst etwas Dauerhaftes geworden. Mehr als 100 Kissen hat Karin mittlerweile genäht – keines gleicht dem anderen. Blumen treffen auf Punkte, kräftige afrikanische Muster auf zarte Farben, aus vertrauten Stoffen entstehen neue Lieblingsstücke.

Und genau darin steckt noch etwas Schönes: Stoffe, die ihre ursprüngliche Aufgabe erfüllt haben, werden nicht einfach aussortiert. Sie bekommen ein zweites Leben – und werden zu etwas, das einem anderen Menschen Geborgenheit, Unterstützung und manchmal auch ein kleines bisschen Erleichterung schenken kann.

Liebe Karin, danke für diese wunderbare Idee, für deine Kreativität und für die vielen Stunden an der Nähmaschine.

Denn Fürsorge kann vieles sein. Manchmal ist sie sogar kunterbunt, weich – und selbst genäht.