SeitenWechsel eröffnet Führungskräften die Chance, ihre sozialen Kompetenzen auszubauen und neue Impulse für zeitgemäße Teamführung zu gewinnen. Ob Nachwuchsführungskraft, Projektleitung oder erfahren im Management – das Programm bietet allen eine einzigartige Möglichkeit zur persönlichen Weiterentwicklung. Der bewusste Schritt in bislang unbekannte Lebenswelten fördert nicht nur Empathie und Reflexion, sondern stärkt auch die Führungspersönlichkeit nachhaltig: ein Perspektivwechsel mit Wirkung weit über die Teilnahme hinaus.
Wie fühlt es sich an, den gewohnten Berufsalltag hinter sich zu lassen und eine Woche in einem Hospiz mitzuerleben? Genau das hat eine Teilnehmerin des Projekts SeitenWechsel, Sabrina Henke, gewagt. Im Gespräch erzählt sie, wie aus anfänglichem Respekt eine besondere und bereichernde Erfahrung wurde.
Hospiz Sinus: Wie bist du erstmals auf das Projekt SeitenWechsel aufmerksam geworden?
Sabrina Henke: Ich bin durch meinen Arbeitgeber auf das Projekt aufmerksam geworden. Ich hatte den Wunsch, mal etwas ganz anderes in Hinblick auf eine „Weiterbildung“ zu machen, etwas, das nichts mit meinem Joballtag zu tun hat. Mir wurde dann die Möglichkeit des Seitenwechsels vorgeschlagen.
Hospiz Sinus: Warum hast du dich gerade für einen Einsatz im Hospiz entschieden?
Sabrina Henke: Die eigene Endlichkeit ist etwas, was uns alle betrifft. Ich denke ungern daran, dass das hier alles irgendwann vorbei ist. Ich war interessiert an den Menschen, die ich dort treffe, gleichzeitig hatte ich großen Respekt davor und ich habe mit dem Thema Hospiz viel Traurigkeit verbunden. Kurzum, ich wusste für mich wird die Zeit dort sehr spannend und sehr herausfordernd zugleich. Deswegen habe ich mich dafür entschieden.
Hospiz Sinus: Was machst du im Berufsalltag?
Sabrina Henke: Ich bin Führungskraft im Vertrieb bei der Sparkasse Vorpommern.
Hospiz Sinus: In welcher Hinsicht war das „Praktikum“ im Hospiz interessant für dich?
Sabrina Henke: Es war in vielerlei Hinsicht interessant. Angefangen bei den Gästen – ihre Situationen und Geschichten, die sie mit mir geteilt haben – über die Zusammenarbeit im dem Team Sinus Othmarschen, bis hin zur Leitung und Koordination des Hospizbetriebes.
Hospiz Sinus: Gab es während deiner Zeit im Hospiz Erfahrungen, die dich besonders geprägt oder verändert haben?
Sabrina Henke: Eher aufmerksamer gemacht haben. Es war in vielerlei Hinsicht auch eine Bestätigung, Dinge weiter so zu tun, wie ich es tue und auf einiges mehr Acht zu geben. Im hier und jetzt zu sein zum Beispiel. Ich bin schon sehr viel gedanklich im Morgen und verpasse dabei mindestens ein Bisschen das Jetzt. Das möchte ich verändern. Momente mehr genießen, Prioritäten vielleicht auch anders setzen.
Hospiz Sinus: Viele Menschen denken, Hospize sind traurige Orte. Wie hast du die Atmosphäre in unserem Haus erlebt?
Sabrina Henke: Davon war ich vor meinem Seitenwechsel überzeugt. Für mich wurde dann in meiner Zeit dort nochmal klarer, wie entscheidend die Perspektive ist – was sehe ich von außen, welche Vorbehalte können entstehen und wie anders kann es sein, wenn ich selbst etwas sehe und erlebe. Ich habe vorher vor allem an eines gedacht: hier endet alles. Jetzt sehe ich eher, wie die Zeit erfüllt werden kann, wieviel die Individualität ausmacht, die dort gelebt wird und die ich so nicht vermutet hätte. Menschen die anderen Menschen Wünsche erfüllen. Momente, die besonders gestaltet werden, die miteinander geteilt werden, sei es durch ein Gespräch oder einfach das Dasein.
Hospiz Sinus: Wie hast du das Team im Hospiz wahrgenommen – und gibt es etwas, das wir aus deiner Sicht verbessern könnten?
Sabrina Henke: Das Team empfand ich als unglaublich aufgeschlossen mir gegenüber – auch das war eine schöne Erfahrung. (Ein großes Dankeschön dafür nochmal!) Ich habe viel Flexibilität erlebt in der Zusammenarbeit. Beeindruckt hat mich unter anderem auch, wie meine „Kolleginnen und Kollegen“ dort mit Unvorhergesehenem umgegangen sind. Das natürlich vor allem, weil sich diese Situationen sehr von denen in meinem Job unterscheiden. Kühlen Kopf bewahren und weiter geht es. Dadurch war es für mich dann auch einfacher. Wie Individualität dort gelebt wird, wie sehr auf Wünsche und Bedürfnisse eingegangen wird, fand ich ebenfalls bemerkenswert.
Hospiz Sinus: Wie blickst Du einige Monate nach Deiner Zeit im Hospiz Sinus Othmarschen auf diese Erfahrung zurück?
Sabrina Henke: Die Zeit im Hospiz war eine sehr besondere Erfahrung. Es ist nun schon einige Monate her und ich denke öfter an Situationen dort. Neue, wertvolle und nachhaltige Erfahrungen – das fasst es zusammen. Den Seitenwechsel würde ich jederzeit wieder machen.
Foto: Karin Brodowsky